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Aktien-Strategien

Investoren, die an der Börse über viele Jahre kontinuierlich Gewinne einfahren, haben immer eines gemeinsam: sie gehen strategisch vor. Sie werden wohl kaum einen dauerhaft erfolgreichen Börsianer finden, der Ihnen erzählt, er handle ausschließlich nach seinem Bauchgefühl. Erfolg entsteht durch den Einsatz effektiver Strategien.

Das Geheimnis der erfolgreichen Umsetzung von Strategien liegt nicht nur in der richtigen Auswahl der Vorgaben, sondern vor allem auch in der konsequenten Anwendung über einen ausreichend langen Zeitraum.

Keine Aktien-Strategie funktioniert in jedem Jahr gleich gut und liefert bei jeder Marktlage immer hohe Erträge. Wer in der ersten schlechten Phase eine einmal für gut befundene Strategie gleich wieder gegen eine andere austauscht, läuft Gefahr, in den Teufelskreis des zyklischen Strategiewechsels zu geraten (siehe auch Psychologie).

Strategien stützen sich immer auf bestimmte Daten und Informationen. Es ist daher sinnvoll, Aktien-Strategien nach der benötigten Datenbasis zu klassifizieren. Im Folgenden sind einige Strategien unter der jeweils zugrunde liegenden Datenbasis aufgelistet:

  • Kursdaten (inkl. Handelsvolumen)

    • Charttechnik

    • Trendfolgen auf Basis von Indikatoren (Relative Stärke, Momentum,…)

  • Unternehmensentwicklung und Geschäftszahlen

    • Event Driven

    • Growth

  • Kombination aus Kursdaten und Unternehmensentwicklung

  • Marktumfeld (Zinsen, Inflation usw.)

    • Markt-Indikatoren

  • Zeit

    • Buy and Hold

    • Sparpläne (Cost Average)

  • Analystenempfehlungen

    • Kaufe Aktien mit den meisten/wenigsten Kaufempfehlungen

Natürlich gibt es eine Vielzahl weiterer Strategien, die sich zum Teil auch auf hier nicht erwähnte Oberbegriffe oder andere Kombinationen der Datenquellen stützen.

Kursdaten
Strategien auf Basis von Kursdaten und Handelskenngrößen wie Stückzahl und Volumen haben den Vorteil, dass die benötigten Informationen leicht beschafft werden können und einen extrem hohen Wahrheitsgehalt aufweisen. Es wird nicht oft vorkommen, dass eine Börse zur Aktie X den falschen Kurs veröffentlicht. Außerdem können die Strategien leicht automatisiert werden, da die Daten jederzeit vollständig zur Verarbeitung bereit stehen.

Wer eine Strategie auf Basis der Kursdaten verfolgt, geht davon aus, dass sich aus der Verhaltensweise der Anleger in der Vergangenheit auf deren Verhalten in der Zukunft schließen lässt. Haben Anleger z.B. in den letzten 12 Monaten die Aktie XY deutlich besser eingeschätzt als die meisten anderen Aktien des Marktes, dann ist es wahrscheinlich, dass sie dies auch in den nächsten Monaten tun werden (Relative Stärke).

Bei der Betrachtung von Kursverläufen fällt auch auf, dass sich bestimmte Kursmuster regelmäßig wiederholen. Darauf setzen die Charttechniker. Sie steigen ein oder aus, wenn sich ein bestimmtes Chartmuster abzeichnet.

Da diese Strategien häufig von vielen Marktteilnehmern umgesetzt werden, ist die Chance auf Gewinne relativ groß: die Anleger erfüllen durch ihr Verhalten ihre eigene Prophezeiung. Allerdings ist dabei das Risiko höher. Wer zu spät aufspringt, erlebt häufig abrupte Korrekturen innerhalb von Trends oder das Ende einer Chartformation und wird mit Verlust ausgestoppt. Dennoch haben sich viele kursdatenbasierte Strategien in der Vergangenheit bestens bewährt.

Wer das Thema Charttechnik und Trendfolgen vertiefen möchte, dem sei die Literaturliste empfohlen. Die Relative Stärke wird weiter unten ausführlicher betrachtet, da sie eine besonders hohe Erfolgsquote verspricht und einen wichtigen Grundstein des Dr. Kessler Musterdepots darstellt (Relative Stärke).

Unternehmensentwicklung und Geschäftszahlen
Es gibt zahlreiche Strategien, die sich voll auf die Unternehmen, ihre Geschäftszahlen und die Nachrichtenlage konzentrieren. Angefangen von simplen Empfehlungen wie „Buy on bad news, sell on good news“ über Strategien, die sich auf bestimmte Ereignisse bei Unternehmen fokussieren (Event Driven) bis hin zu den populären Growth-Strategien: immer steht das Unternehmen selbst im Mittelpunkt und weniger der aktuelle Börsenkurs. Der Vorteil dieser Strategien liegt darin, dass sich die Anleger mit den Unternehmen auseinandersetzen, welche sie anteilig erwerben. Nachteilig ist jedoch, dass Meldungen und Geschäftszahlen nicht immer einen hohen Wahrheitsgehalt aufweisen. Meldungen können von vorhandenen Problemen in anderen Bereichen des Unternehmens ablenken, Gewinnzahlen können durch Bilanzierungstricks geschönt sein.

Kombination von Kursdaten und Unternehmensentwicklung
Die Kombination dieser Informationen stellt die Basis der populären Value-Strategien dar. Ziel dieser Strategien ist es, Aktien von Unternehmen zu erwerben, die an der Börse unterhalb ihres inneren Wertes gehandelt werden. Warren Buffet ist mit seiner Value-Strategie der wohl erfolgreichste Investor aller Zeiten geworden. Auf das Thema Value soll aufgrund der hohen Bedeutung an anderer Stelle intensiver eingegangen werden (Value)

Marktumfeld
Informationen und Kenngrößen, die das aktuelle Marktumfeld beschreiben, werden häufig als ergänzende Kriterien in Aktien-Strategien eingebaut und liefern Kauf- und Verkaufssignale. Zu nennen wären hier Konjunkturindikatoren, Zinssätze, Inflation oder auch Währungswechselkurse.

Zeit
Streng genommen geht jeder Strategie, die sich am Faktor Zeit orientiert, eine Unternehmens- oder Marktbetrachtung voraus. Wer sich jedoch einmal für eine bestimmte Aktie, eine Branche, oder einen Aktienfonds entschieden hat, kann z.B. mit der buy and hold Strategie in jedem Fall vermeiden, durch vieles Hin und Her schlechter abzuschneiden, als durch einfaches geduldiges Halten der Wertpapiere. Nach dem Motto: über lange Zeiträume steigen Aktien immer.

Eine ähnliche Strategie verfolgt der Sparplan. Hier wird in regelmäßigen Abständen zu gleichen Geldbeträgen in ein Wertpapier investiert. So werden bei tiefen Kursen mehr Anteile und bei hohen Kursen weniger Anteile erworben. Dies führt zum so genannten Durchschnittskosteneffekt (Cost-Average-Effekt), den jene Anleger nutzen, die nicht täglich neu überlegen wollen, ob heute wohl ein guter Tag zum Aktienkauf ist.

Auch die Regel "Sell in May and go away - but remember to come back in September" sei hier erwähnt. Mit dieser Regel, oder verschiedenen Varianten davon, wollen die Anleger Vorteil aus der von einigen statistischen Auswertungen untermauerten Vermutung schlagen, im Sommer liefen die Börsen schlechter als zu anderen Jahreszeiten.

Analystenempfehlungen
Auf diese Informationsquelle oder die damit stark verwandten „heißen Tipps“ soll nicht näher eingegangen werden. Jeder kritische Anleger möge einmal seine bisherigen Investments in die Rubriken „Tipps von Dritten“ und „eigene Recherche/Strategie“ einteilen und die durchschnittliche Performance der Rubriken über alle Trades ausrechnen. Nicht wenige Anleger neigen nach entsprechender Analyse dazu, invers zu Analystenempfehlungen zu handeln.

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