Hintergrund

Aktien-Strategien

    Relative Stärke

    Value

Psychologie

Geldmanagement

Literatur

 

 

Relative Stärke

Der Begriff „Relative Stärke“ ist im Kontext der Aktienanalyse nicht eindeutig definiert. In der Regel ist damit einer der folgenden Indikatoren gemeint:

  • RSL (Relative Stärke nach Levy)
    Diese setzt den aktuellen Kurs eines Wertpapiers in Relation zu dem gemittelten Kurs der letzten X Tage. Der RSL zeigt also an, in welchem prozentualen Abstand sich der aktuelle Kurs zur X-Tage-Linie befindet.

  • RS (Relative Stärke)
    Der Indikator RS setzt die Kursänderung einer Aktie in den letzten X-Tagen in Relation zu der Kursänderung eines Vergleichswertes im selben Zeitraum. Der RS zeigt also z.B. die Über- oder Unterperformance einer Aktie gegenüber dem Vergleichsmarkt an.

  • Kurssteigerung/Wertzuwachs
    In manchen Fachpublikationen wird der prozentuale Wertzuwachs einer Aktie über den Zeitraum X als relative Stärke bezeichnet.

  • RSI (Relativer Stärke Index)
    Der RSI berechnet sich aus dem Verhältnis der Tagesverluste und -gewinne der letzten X-Tage. Er zeigt an, ob ein Wertpapier überkauft, neutral oder überverkauft ist. Er gehört zu den klassischen Oszillatoren und soll hier nicht weiter betrachtet werden

Der Wert der Relativen Stärke schwankt beim RS und RSL um 1 bzw. 100 (Kurs identisch mit dem Vergleichswert). Ein Wert von 1,2 bzw. 120 zeigt also an, dass der aktuelle Kurs 20% über dem Vergleichswert, z.B. der 100-Tagelinie oder dem DAX liegt. Ein Wert von 0,8 bzw. 80 bedeutet analog eine Unterperformance von 20% zum Vergleichswert.

Es gibt im Wesentlichen zwei Möglichkeiten die Relative Stärke für die Anlageentscheidung heranzuziehen. So wird z.B. ein Kaufsignal ausgelöst, wenn der Wert extrem niedrig ist (z.B. <0,2 bzw. 20) und damit anzeigt, dass eine Aktie sehr stark gefallen ist oder weit hinter dem Gesamtmarkt her läuft. Dies könnte auf ein großes Aufholpotenzial schließen lassen. Allerdings ist diese Strategie sehr gefährlich, solange man nicht die Ursachen für den negativen Verlauf des Aktienkurses kennt. So könnte z.B. eine drohende Insolvenz Auslöser für den Kursverfall sein. Wer extrem niedrige RS- und RSL-Werte als Einstiegssignal verwenden will, befindet sich entweder auf der Seite der Value-Investoren („die Aktie wurde zu unrecht abgestraft“) und bezieht andere Informationen mit ein oder sollte sich langfristig auf eine Unterperformance einstellen.

Eine andere Möglichkeit die Relative Stärke zu verwenden, ist der Kauf von Aktien mit hoher Relativer Stärke. Zahlreiche Studien belegen, dass Aktien, die sich über mehrere Monate sehr gut entwickelt haben, dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in den nächsten Monaten tun werden („Gewinner bleiben Gewinner“, „The Trend is your Friend“).

Zu beachten ist bei der Verwendung der Relativen Stärke die hohe Schwankungsbreite, so dass es sinnvoll sein kann, die Strategie um stabilisierende Kriterien zu ergänzen (Value). Bei geschickter Auswahl lassen sich damit noch höhere Überrenditen erzielen. Wer eine hohe Relative Stärke als alleinigen Kaufindikator heranziehen möchte, sollte erwägen, für die Berechnung Zeiträume kleiner zwei Jahre zu wählen, kleine Unternehmen zu meiden oder die Anzahl der Aktien im Depot zu erhöhen.

Verschiedene Varianten der Relativen Stärke sind auch Bestandteil der Berechnungsalgorithmen der Dr. Kessler Musterdepots. Dem Nachteil der hohen Schwankungsbreite begegnet das dort genutzte System durch die Hinzunahme ausgewählter Value-Kriterien. Außerdem gehören sehr kleine Unternehmen nicht zum Anlagehorizont des Relative Stärke Musterdepots.

 

> Value