Hintergrund

Aktien-Strategien

    Relative Stärke

    Value

Psychologie

Geldmanagement

Literatur

 

 

Value

Value-Investoren suchen nach Unternehmen, die an der Börse unter ihrem inneren Wert gehandelt werden. Diese Strategie erfordert bei gewissenhafter Umsetzung die Bestimmung des Unternehmenswertes. Das stellt keine einfache Aufgabe dar, weil neben einer Vielzahl historischer und aktueller Bilanzdaten auch einige Annahmen über die zukünftige Entwicklung des Unternehmens benötigt werden.

Die ersten wichtigen und noch heute viel beachteten Bücher über die Auswahl von Aktien nach ihrem inneren Wert sind von Benjamin Graham 1934 und 1949 veröffentlicht worden (Literaturliste). Die dort vorgestellten Strategien wurden von Grahams Schülern, Warren Buffet ist der bekannteste unter ihnen, perfektioniert und sehr erfolgreich angewendet. Buffet wurde damit einer der reichsten Männer der Welt. Von 1956 bis 1969 erzielte er eine jährliche Rendite von 29,5%, was einer Outperformance des Dow Jones Industrial Index um ca. 22% pro Jahr entspricht (Warren Buffet, The Super Investors of Graham-and-Doddsville, Hermes, Herbst 1984).

Doch selbst Warren Buffet räumt ein, dass es heute sehr schwierig geworden ist, an der Börse drastisch unterbewertete Aktien zu finden. Durch das Internet sind Informationen über Unternehmen heute in Sekundenschnelle jedem Marktteilnehmer weltweit zugänglich. Außerdem ist der Value-Ansatz inzwischen so weit verbreitet, dass drastische Unterbewertungen nicht lange unentdeckt bleiben. Dennoch gelingt es Buffet noch immer, mit seinem Unternehmen Berkshire Hathaway regelmäßig den Markt zu schlagen. Er investiert allerdings auch in Unternehmen, die nicht an der Börse gehandelt werden.

Für Investoren mit weniger Zeit für ausführliche Unternehmensanalysen bieten sich vereinfachte Value-Ansätze an.

Die wohl am häufigsten angewendete Strategie ist „Dogs of the Dow“. Dabei werden jedes Jahr die 10 Aktien des Dow Jones Industrial Index mit der höchsten Dividendenrendite gekauft. Von 1929 bis 2003 konnte damit eine durchschnittliche jährlich Rendite von 12,2% erzielt werden (O´Shaughnessy). Der S&P 500 schaffte im gleichen Zeitraum nur 9,7%.

Die bereits im Abschnitt Relative Stärke zitierte Studie von O´Shaughnessy (Literaturliste) hat sich auch eingehend mit der Anwendung von Value-Kenngrößen beschäftigt. Einige Ergebnisse seiner Untersuchungen zum amerikanischen Aktienmarkt der Jahre 1952 bis 2003 sind in Tabelle 2 aufgelistet. Er testete unter anderem den jährlichen Kauf von 50 Aktien mit dem niedrigsten Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) und Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sowie der höchsten Dividenden-Rendite (DR). Am besten schnitten dabei die Depots mit niedrigstem KBV und KUV ab. Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 zusammengefasst.

Noch höhere Renditen wurden mit einer Kombination aus Value und Relativer Stärke erzielt. Beeindruckend ist vor allem auch, dass die kombinierten Depots in 94% aller rollierenden 5-Jahreszeiträume und 97-100% aller 10-Jahreszeiträume besser als „Alle Aktien“ abgeschnitten haben.

 

Depot Aus 10.000 $ wurden Jährliche Rendite
Alle Aktien 5,7 Mio. $ 13,0%
50 Aktien niedrigstes KGV 8,2 Mio. $ 13,8%
50 Aktien niedrigstes KUV 22,0 Mio. $ 15,9%
50 Aktien niedrigstes KBV 22,0 Mio. $ 15,9%
50 Aktien höchste DR 6,8 Mio. $ 13,3%
50 Aktien KGV<20 und höchste rel. Stärke 51,5 Mio. $ 17,9%
50 Aktien KUV<1 und höchste Rel. Stärke 55,0 Mio. $ 18,0%
50 Aktien KBV<1 und höchste Rel. Stärke 63,3 Mio. $ 18,3%

Tabelle 2: Jahre 1952-2003           Quelle: O´Shaughnessy, What Works on Wall Street

 

Eine noch weitergehende Verbesserung der Rendite beobachtete O´Schaugnessey für ein Depot, welches Aktien mit einer Mindestmarktkapitalisierung, niedrigem KUV, steigenden Gewinnen sowie einer hohen relativen Stärke über verschiedene Zeiträume enthielt („Improved Cornerstone Growth“). Untersucht wurden die Jahre 1964 bis 2003 (Tabelle 3).

 

Depot Aus 10.000 $ wurden Jährliche Rendite
Alle Aktien 0,9 Mio. $ 12,00%
Improved Cornerstone Growth 18,9 Mio. $ 20,80%

Tabelle 3: Jahre 1964-2003           Quelle: O´Shaughnessy, What Works on Wall Street

 

Neben der hohen mittleren Überrendite von 8,7 % pro Jahr ist auch bemerkenswert, dass die Strategie in 98 % aller rollierenden 5-Jahreszeiträume und in 100% aller 10-Jahreszeiträumen besser als „Alle Aktien“ abgeschnitten hat.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich bei konsequenter Umsetzung ausgewählter Value-Strategien sehr hohe Überrenditen erzielen lassen, sei es über den aufwendigen Weg der Unternehmensanalyse (Warren Buffet) oder mit einfacheren Varianten wie z.B. der von O´Shaughnessy entwickelten „Improved Cornerstone Growth“ Strategie.

Wer vertiefte Einblicke in Value-Strategien nehmen möchte, dem sei die Literaturliste empfohlen.

Die Dr. Kessler Musterdepots AUSBRUCH KLEINE WERTE und VALUE berücksichtigen Value-Kennzahlen.

 

> Psychologie