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Psychologie

Die psychologischen Aspekte der Geldanlage, heute häufig als Behavioural Finance bezeichnet, haben mindestens die gleiche Bedeutung für den Erfolg, wie die eigentliche Anlagestrategie.

Die meisten Aktieninvestoren werden sich selbst wohl als gute Anleger bezeichnen. Dennoch bleibt ihre Performance häufig hinter den eigenen Erwartungen zurück. Die Gründe hierfür liegen in typischen Verhaltensmustern, die bei vielen Anlegern einzeln oder auch in Kombination auftreten. Insbesondere sind hier zu nennen:

  • Selbstüberschätzung,

  • selektive Wahrnehmung,

  • Recht-haben-wollen,

  • starker Unwillen, Verluste zu realisieren,

  • Panik/Gier, irrationale Handlungen,

  • aktuelle Geschehnisse werden in die Zukunft fortgeschrieben

  • Entscheidungsunwillen/Verunsicherung,

  • Expertenhörigkeit.

Das Thema Selbstüberschätzung hat eine hohe Bedeutung für den Anlageerfolg. Jeder Investor möge nach einem sehr erfolgreichen Jahr einmal gewissenhaft überprüfen, in wie weit sich die eigene Risikobereitschaft und die Gründlichkeit bei der Auswahl der Aktien verändert haben. Auch hilft es sich zu vergegenwärtigen, dass ca. 80% aller Autofahrer der Meinung sind, überdurchschnittlich gute Fahrer zu sein. 30-50% aller Fahrer überschätzen sich also. Bei den Aktienanlegern dürfte die Quote ähnlich sein.

Wenn Investoren nur die guten Nachrichten zu einer Aktie beachten und Negativmeldungen oder sonstige Anzeichen, die auf eine Verschlechterung der Situation hindeuten könnten, ignorieren, dann spricht man von selektiver Wahrnehmung.

Die selektive Wahrnehmung tritt häufig gepaart mit dem Recht-haben-wollen und der Selbstüberschätzung auf, und führt häufig zu sehr hohen Buchverlusten, vor allem wenn ein starker Unwille, Verluste zu realisieren hinzukommt.

Vielen Anlegern dürfte folgendes Szenario nicht unbekannt sein: Nach langer Überlegung ist die Entscheidung für den Kauf der Aktie XY gefallen. Am Anfang steigt der Wert sogar. Der Anleger fühlt sich in seinem überdurchschnittlichen Urteilsvermögen bestärkt und erzählt seinen Freunden und Kollegen davon. Doch plötzlich bröckeln die Kurse. Schlechte Nachrichten über das Unternehmen werden veröffentlicht. Der Anleger möchte aber nicht wahr haben, dass sein Urteil über die Aktie falsch war und sucht Argumente, warum sich die Kommentatoren und die anderen Marktteilnehmer irren. Eigentlich hatte der Anleger ja vor, bei -20% die Reißleine zu ziehen, aber nun mit Verlust verkaufen? Nein, denn bestimmt ist jetzt der Tiefstkurs erreicht. Ein paar Wochen später beträgt der Wert nur noch 50% des Kaufkurses. Und um diese erschütternde Prozentzahl zu verkleinern, kauft der Anleger Aktien nach. Er verbilligt, „weil ein so toller Wert einfach wieder steigen muss“. Leider fällt die Aktie aber weiter. Durch das Nachkaufen ist nun der absolute Verlust noch größer geworden.
Je nach Anlegertyp geht es dann wie folgt weiter: entweder befällt den Anleger Panik und er verkauft die Aktie mit extrem hohem Verlust oder aber er sagt: „Das sitze ich jetzt aus. Ich bin schließlich Langfristanleger“ und behält den Wert die nächsten Jahre im Depot.

Natürlich gibt es zahlreiche Value-Investoren, die sehr konsequent und mit langem Atem an „Ihren“ Unternehmen festhalten. Dies ist auch gut so und führt häufig zum Erfolg. Der versierte Value-Investor überprüft jedoch ständig, ob sich die Basisdaten, anhand derer er die Aktie für unterbewertet hielt, verändert haben. Der oben beschriebene „Langfristanleger“ analysiert dagegen das Unternehmen nicht ständig, sondern hofft einfach darauf, dass sich die Lage bessert, ohne sich ein objektives Urteil zu bilden. Der eine handelt strategisch, der andere lebt vom Prinzip Hoffnung, weil er recht behalten möchte.

Anleger mit starkem Unwillen, Verluste zu realisieren, verschlechtern häufig den Ertrag ihres Depots durch Umschichtungen, bei denen regelmäßig die Gewinneraktien verkauft und die Verlustpositionen behalten werden. „Gewinne mitnehmen“ wird das dann gerne genannt. Und so entsteht ein Depot mit einem hohen Anteil an schlechten Aktien.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Tatsache, dass der Mensch dazu neigt, sich von der aktuellen Stimmung leiten zu lassen und diese als Dauerzustand anzunehmen. Wer eine mehrjährige Abwärtsphase an der Börse erlebt hat, wird pessimistisch und verpasst mit hoher Wahrscheinlichkeit einen großen Teil des Aufschwungs, weil er die Fähigkeit verloren hat, sich steigende Kurse vorzustellen. Wer dagegen über Monate oder gar Jahre problemlos die schönsten Erträge erwirtschaftet hat, der rechnet diese in die Zukunft fort und kann sich nur schwer in das Gefühl von abgrundtiefem Pessimismus hineinversetzen. In diesem Fall wird der Anleger unvorsichtig und das führt fast immer zu hohen Verlusten.

Viele Anleger durchleben auch Phasen von Unsicherheit und Entscheidungsunwillen. Dann sind sie anfällig für die Verlockungen von selbstbewussten Aktien-Gurus und sogenannten Aktien-Experten oder Analysten. Unsicherheit und Entscheidungsunwillen führen oft aber auch einfach nur dazu, dass eine gute Idee nicht ausgeführt wird. Sei es bei einer einzigartigen Kaufgelegenheit oder in dem Moment, in dem ein Anleger erkennt, dass die Aktie XY in seinem Depot kurz vor einem Kurssturz steht.

Besonders häufig tritt Entscheidungsunwillen bei Anlegern auf, die sehr wenig Zeit für Ihre Geldanlage aufwenden können. Diese Anleger sind besonders auf eine Strategie angewiesen, die es ihnen ermöglicht, mit wenig Zeitaufwand klare Entscheidungen zu treffen.

Die meisten Aktieninvestoren dürften die oben geschilderten Szenarien und Probleme in gleicher oder ähnlicher Form bereits kennen. Dennoch erweist es sich häufig als schwierig, die eigenen Gewohnheiten zu durchbrechen, insbesondere, wenn es an der notwendigen Zeit fehlt, sich mit der Aktienanlage regelmäßig auseinanderzusetzen.

Erfolgreiche Anleger vermeiden die meisten der genannten Probleme, indem sie konsequent auf bestimmte Ein- und Ausstiegskriterien setzen und das Geldmanagement im Griff haben. Sie arbeiten strategisch und setzen sich klare Regeln.

 

Der Teufelskreis des zyklischen Strategiewechsels

Allerdings kann es auch mit einer sehr guten Aktienstrategie und klugem Geldmanagement zu ungünstigem Fehlverhalten kommen. Die meisten Anleger, die sich für eine Strategie entschieden haben, erwarten, dass sie nun Erfolge einfahren. Sie haben hohe Ansprüche an ihre Strategie, sonst hätten sie sich ja nicht für diese entschieden. Zu hohe Erwartungen sind jedoch gefährlich, wie folgende Geschichte zeigt.

Herr M. hat sich monatelang mit der Börse beschäftigt. Er hat gelesen, wie wichtig eine klare Strategie und ein gutes Geldmanagement sind. Schließlich findet er eine Strategie, die seinem Risikoprofil entspricht und relativ einfach umgesetzt werden kann. Viele andere Anleger verwenden die Strategie auch und haben damit in der Vergangenheit sehr gute Ergebnisse erzielt. Herr M. kauft also Aktien gemäß seiner neuen Strategie. Herr M.s Vorgehen scheint sich bezahlt zu machen. Seine Aktien steigen. Stolz verfolgt er täglich sein Depot. Nach drei Monaten steht er deutlich besser da als der Gesamtmarkt. Doch nach einem halben Jahr wechselt die Marktlage und die Strategie gerät gegenüber dem Gesamtmarkt kräftig ins Hintertreffen. „Naja, nicht so schlimm, man muss ja auch ein bisschen durchhalten“, sagt sich Herr M. Doch nach einem weiteren halben Jahr ist die Situation noch schlimmer geworden. Nun ist das Depot sogar im Minus, obwohl sich der Gesamtmarkt behauptet hat. Herr M. wird nervös und verliert den Glauben an die Strategie. Er ist mental nicht mehr in der Lage, sich jeden Tag und jede Woche anzusehen, wie sich der Gesamtmarkt besser als seine Strategie entwickelt. Hektisch wird nun nach anderen Strategien gesucht, die in der aktuellen Marktphase erfolgreich sind. Herr M. verkauft die Aktien seiner ersten Strategie und steigt auf eine andere, aktuell erfolgreiche, um. „Uff, das ist ja noch mal gut gegangen. Die Kurse steigen wieder“. Nach ein paar Tagen ist das Depot wieder im Plus und der Anleger behält die neue Strategie bei. Doch nach ein bis zwei Jahren gerät auch seine neue Strategie in eine Schwächephase. Und als sein Depot schon wieder 15% von den Höchstständen entfernt ist und ins Minus zu rutschen droht, da entdeckt er, dass sich seine erste Strategie inzwischen wieder sehr gut entwickelt hat. Und so steigt Herr M. abermals um. Seit Beginn der Einführung seiner ersten Strategie vor ca. zwei Jahren hat er einen Ertrag von null Euro erzielt, während sich der Gesamtmarkt recht gut entwickelt hat. Wäre Herr M. bei seiner ersten Strategie geblieben, hätte er den Markt sogar knapp übertroffen. Jetzt ärgert sich Herr M., dass er seine erste Strategie nicht durchgehalten hat.

Dieses Verhalten ist menschlich und wird vielen Anlegern vertraut sein. Die häufigen Strategiewechsel können jedoch sehr schädlich sein, da nicht selten aus der einen Strategie nahe eines Tiefpunkts ausgestiegen und in die nächste Strategie nahe eines Höchstpunktes eingestiegen wird. Dieses Verhalten möchte ich als Teufelskreis des zyklischen Strategiewechsels bezeichnen. Es erscheint daher sinnvoll, eine gute Strategie konsequent durchzuhalten und bei Unsicherheit lieber das Depot mit weiteren Strategien zu diversifizieren und defensive Werte und Anleihen beizumischen.

Wer anfällig für die oben angerissenen (und lange nicht erschöpfend behandelten) psychologischen Fallen ist, der sollte sich an einer Strategie orientieren, die möglichst wenig Spielraum für Gefühle und subjektive Eingriffsmöglichkeiten bietet. Dies ist z.B. bei mathematischen Systemen und kennzahlenbasierten Strategien gegeben, wie sie im Dr. Kessler Musterdepot angewendet werden. Außerdem sollte unbedingt das Thema Geldmanagement beachtet werden.

 

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